Künstliche Intelligenz im Alltag: 12 Beispiele

Digitale Vorreiter

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Datum 25.02.2021
Lesezeit 7 Min.

Künstliche Intelligenz im Alltag: 12 Beispiele

Künstliche Intelligenz, auch gern als KI abgekürzt, ist einer der wichtigsten Trends in der Digitalisierung. Viele Unternehmen setzen KI bereits ein: in der Entwicklung, in der Produktion, in der Verwaltung. Aber auch im Alltag hilft uns künstliche Intelligenz – in einigen Bereichen ganz offensichtlich, in anderen eher versteckt. Lesen Sie hier, wo Sie künstliche Intelligenz in Ihrem Alltag bereits jetzt nutzen, ob bewusst oder unbewusst.

 

Künstliche Intelligenz – das steckt dahinter

Dabei fasst jeden den Begriff „künstliche Intelligenz“ anders auf. Was ist eine künstliche Intelligenz und was lediglich ein – wenn auch mitunter sehr komplexer – Algorithmus? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, da die Grenzen schwimmend sind. Ein wesentliches Kriterium für künstliche Intelligenz ist unter anderem die Fähigkeit, situationsbezogen zu entscheiden – was umso besser gelingt, wenn die Basis der Entscheidung ein vorausgegangener oder gar fortlaufender Lernprozess ist. 


Ein klassischer Algorithmus ist normalerweise fest implementiert und trifft Entscheidungen auf Basis von Sensordaten, Benutzereingaben und Trigger-Momenten. Er kann jedoch ebenfalls das Ergebnis eines mehr oder weniger langen maschinellen Lernprozesses sein. So manche KI-Implementierung passt sich darüber hinaus fortlaufend an ihren jeweiligen Einsatzzweck an: Eine Fähigkeit, die klassische Algorithmen ohne KI-Unterstützung üblicherweise nicht besitzen.

Schon jetzt begegnen wir künstlicher Intelligenz bereits an vielen Stellen in unserem Alltag. Sie macht unser Leben in vielen alltäglichen Situationen und Bereichen einfacher und komfortabler. Von der Suchmaschine im Internet über die Heizungssteuerung unseres Zuhauses bis zur Navigation mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß.

 

1.     Google & Co. sind Vorreiter beim Thema künstliche Intelligenz

Milliarden von Suchanfragen landen jeden Tag bei den Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo. Setzten die Betreiber zunächst auf immer komplexere Algorithmen, hilft nun künstliche Intelligenz bei der Auswertung der Suchanfragen. So versteht die von Google entwickelte künstliche Intelligenz namens BERT (Bidirectional Encoder Representations from Transformers) unter anderem natürliche Sprache bei der Sucheingabe. Seit 2019 kann Google damit Suchanfragen noch präziser beantworten, da nicht nur eingegebene (oder gesprochene) Wörter, sondern auch deren Beziehung zueinander in die Auswertung einbezogen wird. Ein weiteres von Google entwickeltes KI-Produkt ist die plattformunabhängige Open-Source-Softwarebibliothek TensorFlow, die der Suchmaschinenriese in vielen seiner Anwendungen einsetzt. Hierzu gehören unter anderem Gmail, die Google-Suche oder Google Maps.




Video: YouTube / WYS by Adam Lash

 

2.     Empfehlungen der Streaming-Dienste

Ob YouTube, Spotify, Netflix oder Amazon Prime Video – nahezu alle Multimedia-Plattformen und Streaming-Dienste sammeln Daten ihrer Nutzer und „füttern“ damit ihren KI-Algorithmus. Wenn Sie sich also fragen, warum Sie den einen Blockbuster gerade in Ihrer Vorschlagsliste sehen, liegt das an der Historie Ihrer bisher ausgewählten Filme. Wenn mehrere Familienmitglieder sich einen Account eines Streamingdienstes teilen – und nicht über separate Profile verfügen – kann der nächste Filmabend allerdings enttäuschend sein.

Netflix und Co. setzen außerdem auf maschinelles Lernen, wenn es um die Finanzierung von Film- und Serienproduktionen geht. Dank KI können die Unternehmen vorausberechnen, welche Titel sich in bestimmten Märkten voraussichtlich lohnen – und welche nicht.

 

3.     Kontrollmechanismen der sozialen Medien

Unternehmen wie Facebook und Twitter setzen künstliche Intelligenz im Alltag unter anderem ein, um fragwürdige Inhalte zu identifizieren. Dazu gehören potenziell gewaltverherrlichende, pornografische oder politisch extreme Inhalte. Bilder, Texte, Videos und Audiofiles, die in diese Kategorie fallen (könnten), markiert die KI automatisch und löscht sie auch gegebenenfalls. Das allerdings nicht immer fehlerfrei. So hat YouTube im Sommer 2019 Videos eines Geschichtslehrers über den Nationalsozialismus als politisch fragwürdig gelöscht.

 

4.     KI filtert im Alltag unerwünschte Werbung aus unseren E-Mails

Sie ärgern sich über gelegentliche Spam- oder gar Phishing-E-Mails in Ihrem Postfach? Ohne die KI, die Google und Co. zur Filterung einsetzen, würden Sie mit unerwünschter Spy- oder Werbepost vermutlich noch mehr belästigt. Die KI-Algorithmen untersuchen Dutzende an Informationen, um Muster in den Datenströmen zu finden, die auf Spam hindeuten. Dazu zählen beispielsweise die Formatierung, die Sendezeit und die Anzahl der gesendeten E-Mails von einem bestimmten Konto. Sie können sich davon überzeugen, wenn Sie einen Blick in den Spam-Ordner Ihres E-Mail-Programms beziehungsweise der zugehörigen Web-Oberfläche werfen.

 

5.     Ihr Smartphone erkennt Ihr Gesicht

Morgens richtet sich Ihr erster Blick auf Ihr Smartphone? Und trotz Dämmerlicht und ungekämmten Haaren gibt das Smartphone den Bildschirm frei. Auch hier spüren Sie den Einsatz von KI in Ihrem Alltag. In Ihrem Mobiltelefon arbeiten Algorithmen zur Gesichtserkennung, die mit jedem Blick in die Kamera besser werden und schneller die Displaysperre aufheben.




Video: YouTube / COMPUTER BILD

Andere Unternehmen nutzen die Gesichtserkennung zur Entriegelung der Haus- und Wohnungstür, andere suchen damit gezielt nach entlaufenen Haustieren, indem es ein Foto des Lieblings mit Bildern beispielsweise aus Tierheimen oder von Tierfindern abgleicht.

Allerdings ist die Gesichtserkennung nicht unumstritten, beispielsweise bei der Überwachung größerer Menschenansammlungen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz können elektronische Systeme theoretisch einzelne Personen identifizieren und von Kamerabild zu Kamerabild völlig automatisch und fortlaufend überwachen.

 

6.     Bestes Beispiel für KI im Alltag: Smart Home

Im intelligenten Zuhause übernimmt im Alltag bereits heute die KI das Kommando in so mancher Steuerungszentrale. Sie sorgt je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen für eine entspannte oder anregende Beleuchtung und behagliche Temperaturen. Sie aktiviert die Kaffeemaschine, sobald der Rollladen im Schlafzimmer hochfährt. Und sie fährt die Markise ein, wenn sich Regen oder starker Wind ankündigt – auch wenn Sie gar nicht daheim sind. All das kann zwar auch ein Smart Home, das nicht mit KI-Komponenten ausgestattet ist und entsprechend programmiert wurde. Ein lernfähiges Smart-Home-System hingegen passt sich automatisch den Vorlieben und Wünschen des Besitzers an.

KI kann darüber hinaus im Alltag den Stromfluss der Fotovoltaikanlage steuern und bedarfsgerecht die Batterie Ihres E-Autos vor der Tür laden. Außerdem bestellt sie basierend auf Ihren Vorlieben die Einkäufe beim Supermarkt um die Ecke, wenn die Vorräte im Kühlschrank zur Neige gehen.

 

7.     Maschinen verfassen Wetterberichte, Börsen-News und Sport-Highlights

Sekunden nach dem Abpfiff lesen Sie im Webangebot Ihrer Tageszeitung den Spielbericht Ihres Lieblingsvereins – doch den hat nicht etwas ein besonders schneller Redakteur verfasst und online gestellt, sondern eine künstliche Intelligenz.

Immer dort, wo Artikel zu einem großen Teil auf Daten basieren, setzen große Verlage schon heute spezialisierte  Algorithmen zum Verfassen von Spielberichten, Börsennews und Wetternachrichten ein. Genauer gesagt, die Webseitenbetreiber kaufen diese Artikel bei spezialisierten Unternehmen ein. Deren künstliche Intelligenz produziert dann von einem Sportereignis oder einer Börsennotiz mehrere tausend völlig unterschiedlich verfasste Meldungen basierend auf einem identischen Datensatz und möglichen Ergebnissen.

 

8.     Von künstlicher Intelligenz erstelltes Bild für 432.000 Dollar versteigert

Kunst kommt von Können? Mag sein. Tatsächlich nutzen auch Künstler und besonders Designer künstliche Intelligenz als Werkzeug. Beispielsweise generiert die künstliche Intelligenz namens DALL-E (zusammengesetzt aus dem Namen des Künstlers Dali mit dem des Kinofilm-Roboters Wall-E) zu einem Text passende Bilder.




Video: YouTube / Doktor Whatson

 

Das Auktionshaus Christie´s versteigerte im Oktober 2018 das erste von KI geschaffene Kunstwerk für 432.500 US-Dollar. Dabei handelt es sich um ein Portrait von Edmond De Belamy. Den kennen Sie nicht? Keine Schande, denn den Namen hat sich die französische Künstlergruppe Obvious ausgedacht. Obvious wäre schon froh gewesen, wenn das Gemälde 10.000 US-Dollar erzielt hätte.




Video: YouTube / CBS This Morning

Auch die Unterhaltungsindustrie setzt verstärkt auf künstliche Intelligenz. KI komponiert Soundtracks und Musikstücke, verfasst sogar Drehbücher für TV-Serien wie Friends. Der renommierte Wissenschaftsverlag Springer Nature hat das erste, ausschließlich von einer KI verfasste Buch herausgebracht.

 

9.     Autonomes Fahren nur mit KI möglich

Damit Autos völlig autonom fahren können, muss ihre Elektronik dreimal schneller rechnen können als der Mensch. Denn nur so wird ein Fahrzeug seine Umwelt selbstständig verstehen und richtig reagieren können.




 

Video: YouTube / SWR

Die künstliche Intelligenz muss alle erfassten Daten sämtlicher Sensoren und Kameras in Echtzeit auswerten, verknüpfen und daraus resultierende Entscheidungen treffen. Das Fahrzeug lernt, mithilfe gespeicherter Daten vorherzusagen, wie sich eine Situation entwickeln wird. Ein Beispiel: Rollt ein Ball auf die Straße, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Kind folgt. Das Fahrzeug bremst vorsorglich ab, obwohl der Ball an sich keine Gefahr darstellt und auch noch kein Kind im Bereich der Sensoren erkennbar ist. Gleiche Situation, nur statt des Balls fliegt eine größere Plastiktüte vor den Wagen. Das System erkennt die Tüte, analysiert keine Gefahr und bremst den Wagen nicht ab.

Schon heute sind Systeme mit KI in unserem Autofahrer-Alltag im Einsatz, die den Abstand unseres Fahrzeugs automatisch einhalten. Sie bremsen und geben Gas, wenn der Vordermann dies auch tut. Sie halten den Wagen in der Mitte der Fahrspur, legen eine Vollbremsung ein, wenn sie eine mögliche Kollision erkennen und der Fahrer nicht rechtzeitig reagiert.

Sie glauben, vollautonom fahrende Fahrzeuge sind noch Zukunftsmusik? Dann lesen Sie diesen Artikel über fahrerlose Transportsysteme.

 

10.  Navigation zeigt den Unterschied zwischen Algorithmus und KI im Alltag

Quälten wir vor drei Jahrzehnten auf der Urlaubsfahrt noch mit kiloschweren Straßenkarten herum, geben wir heute einfach nur unsere Zieladresse ins Navigationssystem ein. In der Anfangszeit der elektronischen Wegfinder war die Route schon fast egal – solange man angekommen ist.

Dann ging es schnell darum, die schnellste Route zu nehmen. Das übernahm ein – wenn auch komplexer – Algorithmus. Noch komplexer und nur mit Einsatz von künstlicher Intelligenz realisierbar wird die Routenführung, wenn das Navigationssystem bei der Wegberechnung temporärer Verkehrszeichen, Baustellen und unvorhersehbare Ereignisse wie Unfälle oder Wetterbeeinträchtigungen berücksichtigen soll.

 

11.  Wenn der Bauer zum Roboter wird: KI in der Landwirtschaft

Auch in der modernen Landwirtschaft ist die künstliche Intelligenz längst eingezogen – wenn auch längst nicht in allen Bereichen. Dazu sind die damit verbundenen Technologien noch zu aufwendig. Schon heute werden Felder mit teilautonom fahrenden Treckern und Mähmaschinen bewirtschaftet.

Einen Ausblick auf den Bauernhof 2.0 gibt das US-Startup Iron Ox. Die Hightech-Firma hat eine Indoor-Farm entwickelt, auf der seit 2018 vollkommen automatisierte Produktionsanlagen Gemüse, Obst und Salat anbauen, pflegen und ernten. Dabei wachsen die Pflanzen platzsparend auf mehreren Etagen in einer Nährlösung. Wasser und Nährstoffe werden automatisiert genauso bedarfsgerecht zugeführt wie Licht.




Video: YouTube / Credo

Da die in Hallen untergebrachten Anlagen geschlossene Systeme sind, sind Pflanzenschutzmittel nicht nötig. Durch die künstlichen Bedingungen können in solch automatisierten Farmen nach Angaben des Hamburger Startups &ever, das ebenfalls autonom arbeitende Gemüsebetriebe entwickelt, bis zu 20 Ernten (!) pro Jahr eingefahren werden. Nach Angaben von Iron Ox ist die Produktion bei gleichem Flächenbedarf etwa 30-mal höher als bei konventionell betriebenen Gemüse-Farmen.

 

12.  KI im Alltag: Übersetzungen von Bedienungsanleitungen

Ein weiteres gutes Beispiel, an welchen Stellen wir im Alltag auf künstliche Intelligenz stoßen, sind Übersetzungen von mehrsprachigen Betriebsanleitungen. Auch wenn eine KI -Übersetzung meist noch meilenweit von einer menschlichen Fachübersetzung entfernt ist – in Zusammenarbeit mit qualifizierten Linguisten eignet sie sich für die Übersetzung von einfachen Gebrauchstexten. Dazu gehören die oben erwähnten Bedienungsanleitungen ebenso wie mehrsprachige Texte zur internen Betriebskommunikation.

Neben deutlich niedrigeren Kosten bietet die KI-Übersetzung einen weiteren, und in vielen Fällen entscheidenden Vorteil: die kürzere Bearbeitungszeit. Das gilt besonders, wenn große Textmengen anfallen, die in kurzer Zeit in mehrere Sprachen übersetzt werden sollen.

 

Wo sind Sie mit künstlicher Intelligenz schon im Alltag in Berührung gekommen? In welchen Feldern setzt Ihr Unternehmen auf KI? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 


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