Südafrika hat die höchste Jugendarbeitslosigkeit weltweit. Mit dieser Job-Matching-Website soll das geändert werden

Digitale Vorreiter

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Datum 19.10.2020
Lesezeit 3 Min.

Südafrika hat die höchste Jugendarbeitslosigkeit weltweit. Mit dieser Job-Matching-Website soll das geändert werden

Paris (CNN Business) „Ich schätze mich wirklich glücklich, jetzt einen Arbeitsplatz zu haben“, sagt Akhona Zondani.

Mit einem Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaft wurde sie von Personalvermittlern in ihrem Heimatland Südafrika mehrere Monate lang ignoriert. Schließlich begann sie, eine Recruitment-Website namens Giraffe zu nutzen. Nachdem andere Personalvermittler sie so lange „geghostet“ hatten, empfand Zondani die umfangreichen Anleitungen, die sie auf jeder Stufe erhielt, als „einen Hauch frischer Luft“. Sie fand schließlich eine Beschäftigung bei einem Versicherungsunternehmen.

Zondani ist sich darüber bewusst, im aktuellen Wirtschaftsumfeld eine von wenigen Glücklichen zu sein. In Südafrika herrschten schon vor der Pandemie Rezession und Rekord-Arbeitslosigkeit. Das Land hatte 2019 mit 56 % die höchste Jugendarbeitslosigkeit der Welt. Infolge von Covid-19 gingen noch mehr Arbeitsplätze verloren.

Aber Giraffe verspricht Hilfe für die am schwersten Betroffenen: ungelernte und angelernte Arbeitnehmer. Giraffe wurde 2015 von Anish Shivdasani und Shafin Anwarsha gegründet und hat den Recruitmentprozess automatisiert, von der Mitarbeiterbeschaffung bis hin zum Mitarbeiterscreening.

Während Arbeitssuchende sich normalerweise schriftlich oder persönlich auf Stellenausschreibungen bewerben, können sie jetzt ihren Lebenslauf auf der Online-Plattform hochladen. Passende ausgeschriebene Stellen werden ihnen mittels eines Algorithmus zugeteilt.

Giraffe wurde für die Nutzung über Mobilgeräte geschaffen, die die meisten Südafrikaner zum Zugriff auf das Internet verwenden, erklärt Shivdasani. Die Einführung von Smartphones im Land hat sich seit 2016 auf 91 % im Jahr 2019 verdoppelt. Von den Personen, die über einen Internetanschluss verfügen, verwenden etwa 60 % ein mobiles Gerät.

Andere Jobportale und Personalvermittlungsagenturen konzentrieren sich häufig auf hochqualifizierte Arbeitssuchende. Giraffe hingegen richtet den Fokus hauptsächlich auf Berufsanfänger und Stellen auf mittlerem Niveau, so Shivdasani.

„Wir zielen wirklich auf das Massensegment des Markts ab“, erklärt Shivdasani gegenüber CNN Business. „Wir definieren das als Gehälter zwischen 3.000 und 25.000 Rand (177 bis 1.470 Dollar) im Monat.“

In diese Einkommensspanne fallen etwa zwei Drittel aller Arbeitskräfte in Südafrika, fügt er hinzu.

Shivdasani und Anwarsha waren beide als Strategieberater in der Telekom-Branche tätig, als sie sich kennenlernten. Laut Shivdasani hatte er schon immer davon geträumt, eine Plattform aufzubauen, um soziale Probleme in Südafrika zu lösen. Beim Brainstorming darüber, wie er am besten beginnen sollte, wurde ihm klar, dass viele dieser Probleme letztendlich durch Arbeitslosigkeit verursacht wurden. „Unserer Ansicht nach ist Arbeitslosigkeit das wahrscheinlich größte Problem in Südafrika“, sagt er.

 

Mitgründer von Giraffe Shafin Anwarsha

Links im Bild: Der Mitgründer von Giraffe, Shafin Anwarsha.

Giraffe kann von Arbeitssuchenden völlig kostenlos verwendet werden, erklärt Shivdasani. Stattdessen zahlen Unternehmen dafür, ihre Stellengesuche auf der Plattform auszuschreiben.

Die Plattform hat mit etwa 3.000 Unternehmen zusammengearbeitet. Aktuell sind eine Million Arbeitssuchende angemeldet. Durch Partnerschaften mit Facebook (FB) und Google (GOOG) erreicht Giraffe nach Schätzungen von Shivdasani etwa 10 Millionen Arbeitssuchende.

Giraffe hat sogar eine Sprachnotiz-Funktion entwickelt. Damit können Unternehmen hören, wie Bewerber auf Fragen antworten, bevor sie sie zum Interview einladen. „Es ist eine Kombination aus Matching, Screening und Sprachclips, die uns von anderen Plattformen unterscheidet“, so Shivdasani.

Das Unternehmen erhielt dieses Jahr eine Subvention von UNICEF. Die Mittel werden zum Aufbau eines Content-Portals verwendet, um Arbeitssuchenden Ratschläge für ihren Berufsweg zu bieten. Giraffe hat den Betrag der erhaltenen Mittel nicht bekanntgegeben.

 

Die strukturellen Herausforderungen Südafrikas

Südafrika lockert allmählich einen der weltweit strengsten Lockdowns. Währenddessen steigt die Arbeitslosigkeit steil an und die Ungleichheit verschärft sich. Laut Schätzungen eines kürzlichen UNDP-Berichts wird es mindestens fünf Jahre dauern, bis das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungszahlen wieder das Niveau vor der Coronavirus-Pandemie erreichen.

Laut Vimal Ranchhod, Professor für Wirtschaft an der Universität Kapstadt, ist die Entwicklung von Fertigkeiten mithilfe von Plattformen wie Giraffe eine Möglichkeit, junge Menschen zu unterstützen.

Er warnt jedoch auch davor, dass strukturelle Herausforderungen im Arbeitsmarkt oder in der Schulung und Ausbildung schwer zu überwinden sein werden. Viele dieser Herausforderungen sind die Folgen der von Apartheid geprägten Vergangenheit des Landes. „Das Ausmaß und die Art dieses Problems erfordern eine umfassende und langfristige Intervention der Regierung“, meint er. „Das heißt nicht, dass einzelne Gruppen nicht helfen sollten, wenn und wo sie das können. Jedes bisschen kann helfen.“

 

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