Warum einige Lebensmittelhersteller ihre Klimabilanz veröffentlichen

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Datum 17.12.2020
Lesezeit 3 Min.

Warum einige Lebensmittelhersteller ihre Klimabilanz veröffentlichen

Von Katy Scott, CNN Business

Orléans, Frankreich (CNN Business) Lebensmittelhersteller geben schon länger durch Inhaltsangaben auf der Verpackung an, wie gesund oder ungesund ihre Produkte sind, teils auch bereits per Nutri-Score-Ampel. Ob die Produkte hingegen gut oder schlecht für unseren Planeten sind, ist meist weniger eindeutig. Doch eine wachsende Anzahl von Lebensmittelherstellern druckt jetzt auf den Packungen sogar Informationen zur Klimaauswirkung ihrer Produkte ab.

Das schwedische Lebensmittelunternehmen Felix beispielsweise öffnete für zwei Tage im Oktober einen Pop-Up-Laden in Stockholm, in dem sich der Preis aller Artikel nach ihrem CO2-Fußabdruck richtete. Je mehr Emissionen, desto höher der Preis.

Felix wollte zeigen, wie einfach es für Einkäufer ist, klimafreundliche Produkte zu wählen, wenn diese Information auf den Labels zu finden ist. Die Kunden bekamen jeweils ein Budget an „Kohlenstoffen” und sollten damit ihren wöchentlichen Einkauf erledigen.

Der Pop-Up war eine kurze Initiative, um das Bewusstsein der Menschen zu schärfen; doch Felix listet auf seiner Webseite bereits die Treibhausgasemissionen seiner Lebensmittel auf – vom Anbau der Zutaten bis zum fertigen Produkt.

Produkte, deren Emissionen nicht mehr als die Hälfte des schwedischen Durchschnitts für Lebensmittelprodukte ausmachen, bekommen das Label „niedriger CO2-Fußabdruck“. Marketingmanager Thomas Sjöberg zufolge ist es wichtig, dass die Labels leicht zu verstehen sind.

„Wir wissen, dass die Zahlen allein für die Kunden nicht wirklich verständlich sind“, so Sjöberg. „Damit die Zahlen Sinn ergeben, haben wir eine Klimaskala erstellt, die den derzeitigen Durchschnitt zeigt und auch, welche Produkte einen niedrigen CO2-Fußabdruck haben.“

 

Klimawährung aus dem Felix Popup Store in Stockholm

Im Felix Popup Store in Stockholm konnten Kunden testweise mit einer fiktiven CO2-Währung einkaufen.

 

Laut einer Umfrage des Unternehmens Carbon Trust, das die CO2-Abdrücke verschiedener Produkte zertifiziert, unterstützen zwei Drittel aller Verbraucher in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten eine CO2-Kennzeichnung. Keine Regierung hat eine solche Kennzeichnung allerdings bisher zur gesetzlichen Vorgabe gemacht, so Carbon Trust.

Die Klimakennzeichnung verbreitet sich aber trotzdem. Der Fleischersatzhersteller Quorn hat Anfang des Jahres für 60% seiner Produkte eine Klimakennzeichnung eingeführt, und Unilever (UL) hat vor Kurzem einen Plan aufgestellt, nach dem der CO2-Abdruck sämtlicher UL-Produkte offen dargelegt werden soll.

Eine komplexe Formel

Es ist nicht einfach, den wahren CO2-Fußabdruck von Lebensmittelprodukten zu errechnen. Die Hersteller arbeiten zu diesem Zweck mit speziellen Plattformen zusammen, die mit Hilfe von komplexen Kalkulationstools die Daten in Emissionen über die gesamte Produktionskette umrechnen.

Oatly errechnet den Fußabdruck seiner haferbasierten Getränke – von den landwirtschaftlichen Verfahren bis hin zum Lebensmittelgeschäft – mithilfe von CarbonCloud, einem Startup-Unternehmen, das als Forschungsprojekt an der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden begann.

„Wir haben eine Web-Plattform entwickelt, über die Lebensmittelhersteller detaillierte Klimaevaluierungen durchführen können, ohne dass sie die wissenschaftlichen oder mathematischen Hintergründe verstehen müssen“, erklärt David Bryngelsson, CEO von Carbon Cloud.

Unternehmen wie Oatly geben Informationen ein wie ihre Zutaten, den Energieverbrauch, die Abfallproduktion und wie die Produkte verschifft werden; Carbon Clouds Web-Tool erledigt den Rest.

Die Unternehmen können diese Informationen zur Kennzeichnung ihrer Produkte verwenden und gleichzeitig herausfinden, welche Auswirkung zum Beispiel ein anderer Zulieferer oder der Verbrauch nachhaltigen Stroms auf ihren CO2-Abdruck haben könnte.

CarbonCloud hat bereits Hunderte von Produkten und Marken evaluiert, unter anderem Estrella, Nude und Naturli‘, und das Interesse nimmt rasant zu.

„Die Branche schreit geradezu nach diesem Service – sie braucht verlässliche, detaillierte Informationen ohne große zeitliche Investition“, so Bryngelsson.

Die Lebensmittelbranche hat derzeit keinen standardisierten Ansatz zur Errechnung der CO2-Zahlen, doch Sjöberg zufolge kommt es hauptsächlich darauf an, den Kunden die Informationen zur Verfügung zu stellen, die bereits vorliegen.

„In Zukunft werden wir uns hoffentlich darauf einigen, wie der CO2-Abdruck errechnet und wie die Produkte gekennzeichnet werden sollen“, sagt er. „Doch darauf kann das Klima nicht warten.”

 


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