Wie Smart-Tech helfen kann, die Honigbienen der Welt zu retten

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Datum 15.10.2020
Lesezeit 3 Min.

Wie Smart-Tech helfen kann, die Honigbienen der Welt zu retten

Von Adrian Lydon, CNN Business

Cork, Irland (CNN Business) Weltweit nimmt die Anzahl an Honigbienenvölkern ab. Damit steht auch die weltweite Lebensmittelversorgung in Frage. Aber neue Technologien könnten Imkern helfen, der Gefahr entgegenzuwirken.

Viele sehen Imker einfach nur als Honigproduzenten. Tatsächlich sind sie aber Teil eines wachsenden Gewerbes, in dem sie Bienenstöcke an Landwirte vermieten, die ihre Nutzpflanzen bestäuben lassen müssen.

Der kommerzielle Bienensektor bietet Bestäubungsdienste mit Werten im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich an und ist wesentlich für den Anbau einer Vielzahl von Feldfrüchten, darunter Mandeln, Broccoli und Äpfel mit zuständig. In Kalifornien werden beispielsweise 80 % aller Mandeln weltweit angebaut. Dafür ist es notwendig, dass Pollen zwischen den Bäumen übertragen wird. Jedes Jahr sind mehr als zwei Millionen Bienenstöcke erforderlich, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Der Klimawandel, intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden im Agrarsektor haben weltweit verheerende Auswirkungen auf Bienen. Professionelle Imker in den Vereinigten Staaten verloren 2019 laut Forschungen der University of Maryland 44 % der von ihnen verwalteten Kolonien.

Jetzt entwickeln Technologie-Startups intelligente Geräte, die Imkern Zugriff auf detaillierte Informationen über den Zustand ihrer Bienenstöcke bieten. Damit sollen Verluste reduziert und die Gesundheit der Bienen verbessert werden.

Einer dieser Anbieter ist die irische Firma ApisProtect, die gerade einen Sensor eingeführt hat, der Imker auf Probleme in ihren Bienenstöcken hinweist.

Der kleine Sensor ist an das Internet angeschlossen und wird unter dem Dach des Bienenstocks angebracht. Er misst eine Reihe von Werten, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ton und Bewegung. Vom Sensor erfasste Daten werden über die Cloud an die Zentrale von ApisProtect in Cork, Irland geschickt. Dort werden die Daten verarbeitet, analysiert und dann an den Imker zurückgeschickt.

„Mithilfe unseres Geräts können Imker eine sehr viel größere Anzahl von Bienenstöcken mit derselben Mitarbeiteranzahl betreuen, und mit demselben Kostenaufwand für Dinge wie Futter oder Behandlungen“, erklärt Fiona Edwards Murphy, Gründerin und CEO des Unternehmens. „Sie können den Umfang der Bestäubung und den Honigertrag ihres Betriebs dramatisch steigern.“

Video: YouTube / Vodafone Deutschland

Das englischsprachige Video ist mit deutschen Untertiteln versehen, die Sie am unteren Bildrand (neben dem Einstellungs-Symbol) aufrufen können.

Das Unternehmen erhielt 2018 Finanzmittel in Höhe von 1,8 Millionen US-Dollar von internationalen Investoren. Seither arbeitet es mit 20 Imkern aus den Vereinigten Staaten, Irland, dem Vereinigten Königreich und Südafrika zusammen, um die Aktivitäten von bis zu 20 Millionen Honigbienen zu verfolgen.

Die von den 400 Smartsensor-Einheiten erfassten Informationen werden in einer Datenbank zur weltweiten Bienengesundheit zusammengetragen. Diese Daten werden dann mithilfe von Algorithmen analysiert.

 

Bienen-Technologie: Das steckt dahinter

Angesichts der Nachfrage nach Bienen für die florierende Bestäubungsindustrie bieten jetzt auch eine Reihe weiterer Startups neue Technologien an, unter ihnen Pollenity in Bulgarien, Arnia im Vereinigten Königreich und BeeHero in Israel.

Pollenity wurde 2015 von Sergey Petrov gegründet und hat 1,2 Millionen US-Dollar an Finanzmitteln erhoben. Das Beebot-Smartsensor-Gerät des Unternehmens ist für Klein- und Hobby-Imker konzipiert. Das Unternehmen arbeitet darüber hinaus mit sechs Universitäten aus ganz Europa an einem von der EU finanzierten Forschungsprojekt namens HIVEOPOLIS.

Ziel des Projekts ist die Verbesserung des Wohlbefindens von Bienen. Zu diesem Zweck werden Bienenstöcke neu konzipiert und eine Reihe von Technologien eingesetzt, unter anderem eine Roboterbiene mit der Fähigkeit, zu „tanzen“, um dem Schwarm im Bienenstock den Weg zu weisen.

„Die Roboterbiene teilt den anderen Bienen mit, wo sie Nektar und Pollen finden“, erklärt Petrov. „Damit werden die Bienen auf bestimmte Felder gelenkt, die bestäubt werden sollen. Zusätzlich werden sie aber auch aus Gefahrenzonen ferngehalten, beispielsweise Bereiche, in denen Pestizide verwendet werden.“

Laut Petrov gibt es auch Pläne zum Bau von Technologien, die erkennen können, ob eine Biene durch Kontakt mit Pestiziden vergiftet wurde.

Die Zukunft der Honigbiene zu sichern sieht er als eine der größten Herausforderungen der Welt. „Falls wir Technologie nicht so einsetzen, dass sie für uns nützlich ist, können wir gleich ganz aufgeben“, meint er, „und ich gebe nicht auf.“

 

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