Jitsi Meet: So funktioniert die kostenlose Videokonferenz-Software

Digitales Business

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Datum 12.11.2020
Lesezeit 7 Min.

Jitsi Meet: So funktioniert die kostenlose Videokonferenz-Software

Das Thema Homeschooling hat in diesem Jahr enorm an Bedeutung gewonnen. Eine Lösung, die in diesem Zusammenhang viel Aufmerksamkeit erfährt, ist Jitsi Meet. Was hinter der Open-Source-Videokonferenz-Alternative steckt und wie Sie diese DSGVO-konform sogar selbst betreiben können, verraten wir Ihnen hier.


Gerade im Bildungsumfeld bietet sich Jitsi Meet als kostenlose Alternative für Videokonferenzen, Heimunterricht und besondere Anforderungen an. Das System basiert ursprünglich auf einem Java-Messenger namens XMPP und wurde nach und nach um Videokonferenz-Funktionen erweitert. 

Wie sich Jitsi im Vergleich mit Alternativen wie Zoom, Google Meet und Microsoft Teams schlägt, erfahren Sie in diesem Beitrag. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Möglichkeit, das Jitsi-System On-premise oder in einer Private Cloud zu betreiben.

Jitsi Meet: So arbeiten Sie mit der Open-Source-Videokonferenz-Lösung 

Bei Jitsi Meet handelt es sich um eine Videokonferenz-Lösung, die unter der „Open Source”-Lizenz entwickelt und betrieben wird. Dies bedeutet, dass Entwickler aus der ganzen Welt aufgerufen und eingeladen sind, das System mit neuen Funktionen zu bereichern und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig liegt der Quellcode der Lösung „offen”, ist also für Jedermann im Internet einsehbar.

Eine Jitsi Meet-Konferenz starten: So gehen Sie vor

Um das Videokonferenz-System mobil zu nutzen, sollten Sie zunächst die Jitsi-App für Android oder iOS herunterladen – oder einfach den Web-Client nutzen. Dieser ist sowohl unter Windows als auch auf dem Mac aufrufbar und funktioniert mit allen gängigen Web-Browsern (beispielsweise Chrome, Firefox, Opera).

Eine Jitsi Meet-Veranstaltung zu starten ist denkbar einfach. Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für Ihre Veranstaltung, akzeptieren Sie die notwendigen Berechtigungen für Kamera und Mikrofon und teilen Sie den Veranstaltungs-Link mit Ihren gewünschten Teilnehmern. Sie finden diesen Link, sobald Sie den Konferenz-Namen vergeben haben, auf dem Übersichtsbildschirm. Später können Sie oben auf „Mehr Leute einladen” klicken und dort den Jitsi-Meet-Link kopieren. Eine feste Anmeldung beziehungsweise Registrierung für oder bei Jitsi ist zu keiner Zeit notwendig.

So nehmen Sie an einem Jitsi Meet teil

An einem Jitsi-Meeting teilzunehmen, ist ebenfalls denkbar einfach. Bitten Sie den Veranstalter, Ihnen den Jitsi-Link (in der Form „meet.jit.si/IhreKonferenz”) zu senden und fügen Sie diesen in Ihrem Browser (oder Ihrer App) ein. Stellen Sie außerdem sicher, dass sowohl Ihr Mikrofon als auch (falls gewünscht) Ihre Kamera ordnungsgemäß funktionieren.

Eine Besonderheit bei Jitsi, die nicht jedes Videokonferenz-System bietet, ist die Möglichkeit, „die Hand zu heben”. Der Moderator wird hierüber benachrichtigt und kann Ihnen bei passender Gelegenheit das Wort erteilen.

Jitsi ist komplett kostenlos und besonders bei Schulen beliebt

Das System ist besonders bei Bildungseinrichtungen beliebt, da es nach eigenem Anspruch sowohl verschlüsselt, als auch DSGVO-konform arbeitet beziehungsweise arbeiten kann. Für den Betrieb auf eigenen Servern (und somit unabhängig von fremden Einflüssen) sind allerdings entsprechende IT-Kenntnisse unabdingbar. Außerdem erfolgt der Support für das System vor allem über die Entwicklergemeinde und nicht über einen professionellen Helpdesk wie beispielsweise bei Microsoft Teams.

 

Video: YouTube / Steve Krömer

 

Diese Funktionen und Möglichkeiten bietet Jitsi

An einem Jitsi-Meeting können grundsätzlich bis zu 50 Personen einschließlich des Organisators mit eingeschalteter Videokamera teilnehmen. Neben den üblichen Merkmalen einer Online-Videokonferenz wie einer Chat-Funktion und der Bildschirmfreigabe haben Sie weitere Möglichkeiten:

  • Schalten Sie in vier Stufen zwischen HD- und geringerer Videoqualität um.
  • Starten Sie einen Livestream via YouTube.*
  • Teilen Sie ein YouTube-Video mit Ihren Teilnehmern.
  • Aktivieren Sie Hintergrundunschärfe, um Ihre Raumumgebung auszublenden.
  • Ändern Sie die Spracheinstellung von Jitsi Meet.
  • Schalten Sie Teilnehmer stumm oder blenden Sie Statisiken zu den einzelnen Sprechern (Redeanteile) ein.
  • Betten Sie Ihre Konferenz auf externen Seiten als iFrame ein.
  • Sichern Sie Ihre Konferenz mit Hilfe der „Security Options” ab. Hier können Sie sowohl eine virtuelle Lobby anlegen, als auch ein Passwort vergeben.
  • Nehmen Sie die Inhalte Ihrer Konferenz für später auf.*

*Bitte beachten Sie, dass Sie für das Aufnehmen Ihrer Konferenz und das Verbreiten der Inhalte auf externen Kanälen wie YouTube das Einverständnis sämtlicher Teilnehmer benötigen.

 

Jitsi Meet auf einem Computerbildschirm

In Jitsi Meet finden Sie rechts unten Einstellmöglichkeiten für wichtige Funktionen.

Darüber hinaus bietet Jitsi ein eigenes Slack-Modul für die beliebte Büro-Kommunikationslösung. Mit dieser erhalten Sie die Möglichkeit, aus Slack heraus Jitsi-Konferenzen mit bis zu 50 Teilnehmern zu starten.

Ihren Bildschirm mit anderen teilen: Die Screen Sharing-Funktion

Sie können Ihren aktuellen Bildschirminhalt mit Ihren Videokonferenz-Teilnehmern teilen. Hierzu klicken Sie links unten in der Desktop-Version auf das entsprechende Symbol. Wählen Sie nun aus, ob Sie ein einzelnes Fenster (beispielsweise nur eine PowerPoint-Präsentation), oder den kompletten Bildschirm freigeben wollen. 

Geben Sie Ihren ganzen Bildschirm frei, sollten Sie sich bewusst sein, dass sämtliche Teilnehmer nicht nur all Ihre Inhalte (einschließlich der Taskleiste) sehen können. Außerdem können diese mögliche Benachrichtigungen mitlesen, die während Ihrer Präsentation eintreffen.

Ihren Bildhintergrund unscharf machen

Sie können in Jitsi Meet Ihren Bildhintergrund mit einem Unschärfeeffekt versehen. Hierzu klicken Sie einfach rechts unten auf die „Einstellungen” und wählen „Hintergrundunschärfe aktivieren (BETA)”. Beachten Sie jedoch, dass dieses Feature eventuell nicht auf allen Geräten verfügbar ist und offensichtlich noch im Beta-, also Entwicklungsmodus, läuft. Das Ersetzen des Bildhintergrunds wie bei anderen Meeting-Tools ist derzeit direkt aus Jitsi Meet heraus offenbar nicht möglich (Stand: November 2020). Sie können jedoch auf eine andere Kamera-App, wie beispielsweise Snap Camera, zurückgreifen, um weitere Bildeffekte zu nutzen. In Jitsi Meet selbst müssen Sie dann die entsprechende Drittanbieter-Software als Videoquelle einstellen.

 

Jitsi und der Datenschutz: Diese Rolle spielt die DSGVO

Chat-Nachrichten, die Sie über Jitsi versenden, sowie die Videodaten sämtlicher Teilnehmer lassen sich Ende-zu-Ende verschlüsseln. Das bedeutet, dass beide Seiten (die empfangende und die sendende) miteinander eine Verschlüsselung aushandeln, die das Abhören quasi unmöglich macht oder zumindest stark erschwert. Nach aktuellem Stand ist dies jedoch nur in aktuellen Versionen der Browser Microsoft Edge, Google Chrome, Brave und Opera möglich, die auf Chromium 83 oder neuer basieren. Sie finden die entsprechende Einstellmöglichkeit als Beta-Funktion rechts unten in den Konferenz-Einstellungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt zum Thema Datenschutz ist: Im Gegensatz zu anderen Videokonferenz-Systemen läuft Jitsi nicht zwingend auf externen Servern. Sie können das System auch „In-House” oder bei einem Anbieter Ihres Vertrauens betreiben, wenn Sie über Kenntnisse in Serveradministration und insbesondere in Linux verfügen. 

Durch die Kombination aus verschlüsselter Datenübertragung und die Möglichkeit, Jitsi selbst zu betreiben, gilt das System unter diesen Bedingungen als DSGVO-konform. Aus diesem Grund und weil das System als „Open Source”-Angebot kostenlos ist, ist Jitsi gerade für das „Home Schooling”, aber auch für vertrauliche Meetings derzeit sehr beliebt.

 

So installieren Sie Jitsi auf eigenen Servern

Jitsi auf eigenen oder gemieteten Servern zu installieren hat den Vorteil, dass Sie diese durch technische Maßnahmen (beispielsweise VPN-Schutz) komplett vom übrigen Internet isolieren können. Außerdem haben Sie die vollständige Kontrolle über die gesammelten Daten und können sicherstellen, dass sämtliche Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingehalten werden.

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Sie Kenntnisse in Linux und im Betrieb von Server-Hardware mitbringen – oder eine solche Installation extern beauftragen. Die Anforderungen, die Jitsi stellt, sind je nach geplanter Anzahl von Teilnehmern sehr unterschiedlich. Als Mindestanforderung gelten:

  • Eine aktuelle Linux-Distribution (beispielsweise Ubuntu Server 18.04, Debian 10 oder neuer)
  • Root- und SSH-Zugang auf das geplante System
  • Nach Möglichkeit Zugriff auf eine eigene Domain, um ein SSL-Zertifikat automatisch erzeugen zu können
  • Ein leistungsstarkes Serversystem mit mindestens vier CPU-Kernen und acht Gigabyte Arbeitsspeicher 
  • Eine Internet-Anbindung mit einem Gigabit pro Sekunde im Up- und Downloadbereich

Um Jitsi auf einem eigenen Server zu installieren, laden Sie zunächst die benötigten Dateien von Github herunter und installieren Sie sie in der zuvor angelegten, geschützten Server-Umgebung.

Um den Server korrekt zu konfigurieren, ist es außerdem notwendig, sowohl diverse Ports zu öffnen, als auch Änderungen an den DNS-Einstellungen (Domain-Namensauflösung) durchzuführen. Details hierzu sollten Sie bei Ihrem IT-Partner erfragen, oder das Jitsi Meet-Handbuch für die Server-Installation lesen.

Mit einem solchen System ist es dann möglich, bis zu 50 oder mehr Teilnehmern gleichzeitig die Teilnahme an einem Jitsi-Meeting in Ihrer eigenen, geschützten Umgebung zu ermöglichen. Bedenken Sie jedoch, dass mehrere Meetings, die möglicherweise gleichzeitig auf derselben Hardware laufen, die vorhandenen Ressourcen belasten und die Anzahl möglicher Teilnehmer in der Praxis begrenzen können.

 

Video: YouTube / ApfelCast

Mit ein wenig Fantasie könnten Sie Jitsi theoretisch sogar auf einem Raspberry Pi installieren. In der Praxis reicht jedoch die Leistung des Kleinstcomputers nur für eine sehr begrenzte Anzahl an Teilnehmern aus.

 

Jitsi im Vergleich mit Zoom, Teams, Google Meet und Co.

Ganz klar: Jitsi ist eine sehr spannende Videokonferenz-Alternative, gerade im Bildungssektor. Eingegebene Daten werden nicht, wie bei Google Meet oder Zoom, automatisch auf Server in den USA übertragen. Außerdem liegt der Jitsi-Quellcode für Jedermann offen einsehbar im Internet, was Vertrauen weckt. Allerdings hat das System auch einige Schwächen gegenüber etablierten Profi-Lösungen:

  • Bis zu 50 Teilnehmer einschließlich des Organisators auf gängigen Servern sind schnell zu wenig für professionelle Anwendungen. Selbst auf sehr leistungsfähigen Servern dürfte bei etwa 200 Teilnehmern Schluss sein. Bei Microsoft Teams können bis zu 10.000 Teilnehmer gleichzeitig an Live-Ereignissen und bis zu 250 Nutzer an einer einzigen Teams-Besprechung teilnehmen.
  • Gleiches gilt für die Tatsache, dass für Jitsi keine herunterladbare Desktop-App zur Verfügung steht: Bei mehr als 15 Teilnehmern kann die Performance Ihrer Konferenz, da sie komplett im Browser läuft, deutlich leiden.
  • Der Support für Jitsi ist derzeit grundsätzlich auf Fragen an die Jitsi-Community beschränkt – oder kostenpflichtig.
  • Eine Integration mit wesentlichen Office-Komponenten (außer Slack) ist derzeit nicht verfügbar, oder nur im Rahmen eines Eigenbetriebs denkbar.

Sofern Sie also eher geringe Anforderungen an den Support, die mögliche Teilnehmerzahl und die Systemstabilität bei Videokonferenzen stellen, ist Jitsi für Sie eine spannende Alternative.

Gleiches gilt, wenn Sie sich hervorragend mit Linux-Distributionen, Server-Administration und Netzwerkkonfiguration auskennen: Hier bietet Jitsi ebenfalls eine interessante, weil weitgehend frei anpassbare Lösung.

Unternehmen, die erweiterte Anforderungen an Videokonferenz-Software haben (beispielsweise eine Integration mit Microsoft 365) sind mit Alternativen wie Microsoft Teams oder Cisco WebEx sicherlich besser bedient.

 

Welche Videokonferenz-Lösung ist Ihr Favorit? Nutzen Sie Jitsi Meet auf eigenen oder auf einem der öffentlichen Server? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 


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