Grafikdesign-Software: Diese Kreativ-Tools sind besonders gut

Digitales Business

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Datum 25.09.2020
Lesezeit 7 Min.

Grafikdesign-Software: Diese Kreativ-Tools sind besonders gut

Vorbei sind die Zeiten, als in der Arbeitswelt graue Geschäftsbriefe und schlichte Umlaufmappen das Maß aller Dinge waren. Wenn Sie heute Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner erreichen möchten, brauchen Sie für Ihr Unternehmen die zum Corporate Design passende Bildsprache – und die richtige Grafikdesign-Software dazu.


Im Internet-Zeitalter benötigen Unternehmen immer mehr Grafiken und Illustrationen. Neben den klassischen Werbemitteln, dem Geschäftsbericht oder der Kundenpräsentation sind viele neue Anlässe hinzugekommen, für die Illustrationen benötigt werden. 

Gewünscht sind beispielsweise Logos oder Hintergrundbilder für den Social-Media-Account oder Giveaways für Messen und Jobbörsen. Wer nicht für jede Kleinigkeit gleich eine Grafik-Agentur beauftragen möchte, der kann durch den Einsatz einer Grafikdesign-Software Geld sparen. Derartige Programme gibt es mittlerweile in großer Vielfalt am Markt. Und einige davon sind richtig gut.

Die „beste” Grafikdesign-Software gibt es nicht

Eine perfekte Grafikdesign-Software, die für alle Anwendungen gleich gut geeignet ist, gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Einsatzzwecke und zu vielfältig die Stärken und Schwächen der einzelnen Optionen zur Bildbearbeitung. Welches Programm das richtige für Sie ist, hängt zum Beispiel davon ab, welche Art von Grafiken Sie hauptsächlich erstellen möchten.

Bildbearbeitung

Arbeiten Sie viel mit Portraits oder Produktfotos, benötigen Sie eine Bildbearbeitungssoftware mit vielen Filtern und mit Pixel-Funktionen, mit denen Sie bei Fotos einzelne Bildpunkte (Pixel) bearbeiten können. Hier ist Adobe Photoshop seit vielen Jahren Marktführer. Aber auch die kostenlose Alternative Gimp ist mittlerweile sehr beliebt. Sie steht dem Branchenriesen kaum nach, obwohl sie komplett frei verfügbar und kostenlos ist (mehr dazu unten). 

Druckvorlagenerstellung

Beim Erstellen von gedruckten Broschüren oder einfachen Webseiten hilft Ihnen hingegen ein Desktop-Publishing-Programm. Dazu zählen Adobe InDesign oder das kostenlose Scribus, sowie QuarkXpress, der Urvater dieses Software-Genres. Damit können Sie sogar ganze Bücher oder Kataloge setzen und in Profi-Qualität an Ihre Druckerei weiterleiten.

Illustrationen

Wollen Sie in erster Linie gezeichnete Illustrationen erstellen oder weiterbearbeiten, sind Vektor-Zeichenprogramme wie CorelDRAW, Inkscape oder Adobe Illustrator ideal für Sie. Möchten Sie hingegen 3D-Grafiken erstellen, die später als sogenannte CAD-Dateien (Computer Aided Design) weiterverarbeitet und beispielsweise als reale Objekte 3D-gedruckt oder gefräst werden sollen, sind Programme wie Solidworks, Autodesk Fusion 360 oder Sketchup erste Wahl. Das sind dann schon keine reinen Grafikprogramme mehr, sondern Konstruktionsprogramme für die CAD-Welt.

Grafikpakete für bessere Kompatibilität

In den letzten Jahren sind fast alle diese Programme sehr leistungsstark geworden und viele davon werden als Teil eines Grafikpakets vertrieben, das für jeden Einsatzzweck die passende Software enthält. Vorteil dieser Pakete: Sie sparen Geld gegenüber dem Einzelkauf. Und Sie können Ihre Grafiken innerhalb einer Software-Sammlung (Suite) auch leichter zwischen den einzelnen Anwendungen hin- und herschieben. Zum Beispiel, indem Sie innerhalb der Adobe Creative Suite einen fotografierten Bildhintergrund erst mit Adobe Photoshop bearbeiten, dann in Adobe Illustrator hinter Ihr gezeichnetes Logo setzen und das Ganze dann per Adobe Indesign auf Ihrer Website veröffentlichen. Nutzen Sie hingegen Programme verschiedener Hersteller, entstehen beim Austausch zwischen Bildbearbeitung, Zeichenprogramm und DTP-Software oft Konvertierungsfehler durch Inkompatibilitäten.

Ein Grafikarbeitsplatz

Wer nicht alle Aufgaben an eine externe Agentur vergeben kann oder vergeben möchte, findet am Markt eine Auswahl an leistungsfähiger Grafikdesign-Software. Für Anfänger sind einfache Gestaltungsaufgaben eine gute Übung, beispielsweise das Anpassen des Firmenlogos an wechselnde Medien.

Adobe Suite oder Gimp – David gegen Goliath

Bei dem Vergleich von Adobes Photoshop und Gimp geht es nicht nur um bezahlte oder kostenlose Lizenzen: Es geht auch um Funktionsumfang und Kompatibilität.

Verbreiteter Standard: Adobe Photoshop

Seit mittlerweile 30 Jahren gibt es Adobe Photoshop und in dieser Zeit hat sich das Programm als Marktführer unter den Bildbearbeitungsprogrammen etabliert. Von Version zu Version hat das mächtige Tool kräftig an Funktionen zugelegt. Zuletzt wurden beispielsweise das Verformen-Tool überarbeitet und die Motivauswahl verbessert. Für die Bearbeitung von sogenannten RAW-Daten aus Systemkameras gibt es zudem Plugins für die direkte Konvertierung fast aller Formate.

Die Photoshop-Community ist riesig und entsprechend groß auch das Angebot an Tipps und Foren im Internet. Wer über die reichliche Grundausstattung hinaus noch besondere Wünsche hat, kann zahlreiche Erweiterungen von Drittanbietern hinzukaufen. Interessant sind etwa Shadowify für dreidimensionale Schatteneffekte oder Vintage LUTs, mit dem künstliche Alterungsfilter über Fotos gelegt werden.

Bestes kostenloses Programm: Gimp

Deutlich schlanker, aber trotzdem vollständig genug für die meisten Bildbearbeitungsaufgaben kommt der kostenlose Konkurrent Gimp daher. Wer keine Software abonnieren, sondern sie ganz klassisch auf seinem Endgerät installieren möchte, ist mit Gimp gut bedient. Dieses läuft im Unterschied zu Photoshop sogar unter Linux. Die Programmierer haben zudem den Quellcode der Software offengelegt, sodass jeder Nutzer eigene Programmversionen oder -erweiterungen hinzufügen darf. 

Wenn Sie mit einem älteren Rechner und/oder begrenztem Budget arbeiten, werden SIe mit Gimp daher deutlich mehr Freude haben als mit dem ressourcenhungrigen und kostenpflichtigen Photoshop. Für die Nachbearbeitung eigener Fotos im semiprofessionellen Bereich ist Gimp insgesamt eine gute Wahl. Die Bildbearbeitungsprofis in Agenturen arbeiten hingegen standardmäßig mit Photoshop.

Grafikdesign-Software kommerziell verwenden

Was brauchen Sie, um Grafikdesign-Software kommerziell zu nutzen? Neben der Software selbst und einem ergonomischen Arbeitsplatz benötigen Sie für die Bildbearbeitung auch einen schnellen PC oder Mac. Insbesondere Fotodateien sind oft so groß, dass ältere Geräte schnell an ihre Grenzen geraten. Kommt es auf Farbtreue an, sollten Sie idealerweise einen selbstkalibrierenden Monitor verwenden, der mindestens 90 Prozent des AdobeRGB-Farbraums darstellen kann.

Auch die Beleuchtung am Arbeitsplatz ist entscheidend. Viele billige LED-Leuchten haben einen schlechten Farbwiedergabeindex („Color-Rendering-Index”) unter 90 Ra und „verschlucken“ so wichtige Farben. Das ist beispielsweise für die Bearbeitung von Personen- und Landschaftsaufnahmen oder die Food-Fotografie unter Umständen fatal. 

Video: YouTube / die Wundertüte 

Manche Programmpakete speichern ihre Grafiken automatisch in der Cloud des Herstellers ab oder sind lediglich als Software as a Service (SaaS) online verfügbar. Das gilt beispielsweise für die Adobe Creative Suite, die seit 2017 nur noch im Abonnement angeboten wird. Ohne schnelle Internet-Verbindung arbeiten solche Cloud- und SaaS-Lösungen oft sehr langsam. Prüfen Sie daher vor der Installation unbedingt Ihre Internet-Anbindung. Weitere Tipps zum Thema Arbeiten in der Cloud finden Sie hier.

Tipps für die Arbeit mit Software für Grafikdesign

Planen Sie reichlich Einarbeitungszeit für Ihre ersten Schritte mit der Grafikdesign-Software ein. Nicht umsonst ist Grafikdesign ein Studienfach mit einer mehrjährigen Ausbildung.

Hier haben wir einige grundlegende Tipps zusammengestellt, wenn Sie sich in das Thema Bildbearbeitung selbst einarbeiten möchten: 

  • Funktionsvielfalt: Lassen Sie sich nicht vom enormen Funktionsumfang heutiger Grafik-Suites abschrecken. Anfangs benötigen Sie nur wenige Funktionen, die Sie mit Tutorials und etwas Übung schnell beherrschen. 
  • Einfache Ziele: Perfekte Bildretuschen oder der Entwurf professioneller Logos sind auch für Grafiker schwierige Aufgaben. Fangen Sie mit leichten Projekten an.
  • Gekauftes Material: Erfinden Sie das Rad nicht neu: Viele Bilder und Grafik-Elemente finden Sie in Stock-Datenbanken günstig im Internet. Diese brauchen oft nur wenig Nachbearbeitung, zum Beispiel aufgelegte Schriften oder darüber gelegte Farbfilter, damit diese zu Ihrem Corporate Design passen. Das ist gleichzeitig eine gute Übung für Einsteiger.
  • Fortgeschrittene Grundlagen: Befassen Sie sich mit der Philosophie von Filtern und Ebenen, die in weit verbreiteten Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop Standard sind. Wenn Sie damit umgehen können, können Sie schwierigere Aufgaben angehen.
  • Kompatibilität: Achten Sie bei der Entscheidung für eine Grafik-Suite auf die Schnittstellen zu bereits vorhandenen Programmen. Oft gibt es Konvertierungs- oder Darstellungsprobleme, wenn diese von verschiedenen Herstellern stammen. Auch gängige Dateiformate wie JPG, DXF, TIFF oder PSD sind keine Gewährleistung für Kompatibilität.

 

Speziell für Einsteiger gibt es funktionsreduzierte Versionen einiger Profi-Programme, etwa Adobe Photoshop Elements 2020, mit dem schon Neulinge gute Ergebnisse erzielen. Der Vorteil: Sie müssen sich nicht in unzähligen Menüs und Paletten zurecht finden, das Programm ist auf das Wesentliche fokussiert.

Für Anfänger gibt es viele Online-Lehrgänge und sehr gute Tutorials auf Youtube. Auch im Buchhandel finden Sie eine reiche Auswahl an Einsteigerwerken. Achten Sie aber darauf, dass das Tutorial genau zu der von Ihnen verwendeten Versionsnummer der Grafik-Suite passt, denn da gibt es teilweise große Unterschiede in den Menüs oder im Funktionsumfang.

Video: YouTube /  BILDNER TV

Grafikdesign (nicht nur) mit dem Mac

Lange Zeit galt der Mac als Quasi-Standard für die Bildbearbeitung. Viele wichtige Programme waren ausschließlich für das Apple-Betriebssystem MacOS verfügbar. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. Bidlbearbeitungsprogramme von Adobe, Autodesk oder Corel gibt es heute gleichermaßen für MacOS wie für Windows. Einige Programme wie das erheblich abgespeckte und dafür kostenlose Photoshop Express funktionieren neben Windows 8 und Windows 10 sogar auf mobilen Betriebssystemen wie iOS (iPhone und iPad) und Android. Hier finden Sie weitere Informationen zu aktuellen Business-Smartphones, auf denen diese Programme laufen.

Komfortabel ist die Fotobearbeitung am Smartphone aber meist nicht wirklich. Speziell für iPads mit Apple Pencil ist hingegen Adobe Fresco entwickelt. Bei diesem Kreativ-Werkzeug für das Malen oder Skizzieren unterwegs stehen Ihnen zahlreiche künstlerische Pinsel für die digitale Aquarellmalerei zur Verfügung und die Arbeit damit funktioniert sehr intuitiv.

Grafikdesign-Software im Beruf: Freeware nicht in jedem Fall frei nutzbar   

Einige Bildbearbeitungsprogramme werden als Shareware oder Freeware angeboten. Shareware darf in der Regel für eine bestimmte Zeit kostenlos getestet werden, ist aber für den kommerziellen Einsatz oft nicht freigegeben. Auch für Privatanwender kostenlose Freeware darf meist nicht gewerblich genutzt werden. Im Zweifel sollten Sie daher unbedingt in die Lizenzbedingungen schauen.

Vorsicht: Viele Grafikprogramme hinterlassen in damit erstellten oder bearbeiteten Bild-Dateien unsichtbar. Taucht ein so markiertes Foto später auf Ihrer Website auf, kann es sein, dass der Hersteller der Software Ihnen die Verwendung seines Programms nachträglich in Rechnung stellt. Anders ist dies bei den Grafikprogrammen Gimp und Inkscape. Hier erlauben die Lizenzbedingungen tatsächlich auch den kostenlosen, gewerblichen Einsatz.

 

Was sind Ihre Geheimrezepte für die Bildbearbeitung im Unternehmen? Haben Sie eine Lieblingssoftware, mit der Ihnen auch schwierige Aufgaben gut von der Hand gehen? Lassen Sie uns an Ihren Ideen teilhaben und schreiben Sie uns in den Kommentaren zu diesem Beitrag.

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