Was ist und wie funktioniert die IBM Cloud?

Technologie

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Datum 04.04.2022
Lesezeit 7 Min.

Was ist und wie funktioniert die IBM Cloud?

Das Thema Cloud-Lösungen gehört auch 2022 zu den Kernthemen in der modernen Wirtschaft. Viele Systeme arbeiten nach sehr ähnlichen Prinzipien. Doch es gibt auch Unterschiede. Die IBM Cloud unterscheidet sich zum Beispiel deutlich von anderen Cloud-Systemen. Denn hier stehen maßgeschneiderte Angebote für die unterschiedlichsten Anforderungen im Vordergrund. Diese Angebote sind auch einzeln buchbar und damit sehr flexibel nutzbar.

Die IBM Cloud ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche IT-Services und -Infrastrukturen. Sie ermöglichen es, Daten plattformunabhängig auszutauschen und zu speichern. Der Begriff „Cloud“ deutet dabei an, dass für Anwender:innen sowohl die konkrete Software als auch die Hardware in der „Wolke“ verdeckt bleiben. Losgelöst von Systemwelten ist Zugriff auf die Daten jederzeit und von überall her möglich.

Wie ist es möglich, geräte- und systemunabhängig auf Daten, Anwendungen und andere Ressourcen zuzugreifen? Hier kommt das Cloud-Computing ins Spiel. Cloud-Computing bietet Datenspeicherung, Datenzugriff, Netzwerkfunktionen sowie Entwicklungstools in der Cloud. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine bedarfsorientierte IT-Struktur on demand. Denn alle notwendigen Ressourcen stellt der Cloud-Service-Provider (CSP) zur Verfügung, wobei die Leistung skalierbar ist.

 

IBM-Cloud-Plattform: Alle Cloud-Arten unter einem Dach

Das Cloud-Computing-Angebot in der IBM Cloud umfasst die vier gängigsten Cloud-Arten: Private Clouds, Public Clouds, Hybrid-Clouds und Multi-Clouds.

Unterschiedliche Cloud-Typen

Private Clouds sind meist auf eine geschlossene Benutzergruppe oder einzelne Benutzer:innen beschränkt. Der Zugriff ist häufig hinter einer Firewall isoliert zugewiesen.

Sogenannte Managed Private Clouds sind ein Sonderfall. Unternehmen ohne eigenes IT-Team entscheiden sich häufig für diese Option. Sie erlaubt die Nutzung von Cloud-Services und IT-Infrastrukturen, wobei der CSP die Administration komplett übernimmt.

Public Clouds sind Cloud-Umgebungen, die ihre Dienste typischerweise offen über das Internet anbieten. Zu den größten Anbietern von Public Clouds zählen neben IBM mit der IBM Cloud Mitbewerber wie Amazon Web Services (AWS), Alibaba, Google Cloud und Microsoft Azure.

Hybrid-Clouds wiederum sind IT-Umgebungen, die sich aus LANs (Local-Area-Networks), WANs (Wide-Area-Networks) beziehungsweise VPNs (Virtual-Private-Networks) zusammensetzen und über APIs (Programmierschnittstellen) verbunden sind. Nach außen erscheinen diese Clouds wie eine homogene IT-Umgebung.

Multi-Clouds ermöglichen die Nutzung von Diensten und Plattformen unterschiedlicher Anbieter. Trotzdem wirkt dieser Cloud-Typ für Anwender:innen wie eine einzige große Cloud. In eine Multi-Cloud können außerdem mehrere Cloud-Modelle (Private und Public Cloud) verschiedener Anbieter integriert sein.

Welche Cloud-Art ist am besten geeignet?

Welche Cloud für Ihr Unternehmen am besten geeignet ist, hängt von den individuellen Anforderungen ab. Ein paar Richtwerte helfen bei der Auswahl: 

  • Firmen mit volumenintensiven Workloads und häufig wechselnden Anforderungen greifen meist zu Public Clouds.
  • Bei Workloads mit vorhersehbaren, gleichbleibenden Verwendungsmustern oder besonderen Anforderungen an den Datenschutz empfehlen sich Private Clouds.
  • Mit Hybrid-Clouds lassen sich (fast) beliebige Workloads an verschiedenen Orten hosten. Häufig ist diese Lösung für Unternehmen die flexibelste.

Daneben gibt es drei Haupttypen von Cloud-Services: IaaS (Infrastructure-as-a-Service), PaaS (Platform-as-a-Service) und SaaS (Software-as-a-Service)

IaaS (Infrastructure-as-a-Service) stellt Kund:innen virtualisierte Ressourcen und eine IT-Infrastruktur bereit, die sich über das Internet abrufen lassen. Das gesamte Segment der Server- und Netzwerk-Virtualisierung und des Data-Storage zählt dazu.

Über PaaS können Unternehmen beispielsweise Anwendungshosting oder Softwareentwicklung betreiben. Meist kommt PaaS als ergänzende Dienstleistung zum Einsatz – und weniger, um die komplette IT-Infrastruktur eines Unternehmens abzubilden (beziehungsweise auszulagern). PaaS basiert auf der Open-Source-Plattform Cloud Foundry, die die Programmiersprachen Java, Node.js, PHP und Python unterstützt.

SaaS ist ein Service, der Software-Anwendungen bereitstellt. Meist sind SaaS-Apps Webanwendungen oder mobile Apps, auf die Nutzer:innen über einen Webbrowser zugreifen.

Die Auswahl des passenden Cloud-Modells und die Auswahl der Cloud-Services sind so spezifisch wie die Anforderungen Ihres Unternehmens. Keine Lösung gleicht der anderen.

 

Wie die IBM Cloud funktioniert

Wer von IBM Cloud spricht, meinte bisher IBM Bluemix und IBM Softlayer. Diese beiden Angebote gehen in der neuen Definition der IBM Cloud auf. Die Begriffe sind seit vielen Jahren eingeführt und tauchen häufig noch in Beschreibungen auf, auch wenn sie inhaltlich vollständig durch die neue IBM Cloud abgelöst wurden. Die IBM Cloud stellt eine integrierte Umgebung bereit, über die der Zugriff auf die ausgewählten Services erfolgt. Das Angebot richtet sich an Entwicklungsteams, Organisationen und Unternehmen.

IBM Cloud: Services in der Übersicht

Über das PaaS-Angebot der IBM Cloud greifen Entwickler:innen auf mehr als 130 Services zu. Weitere Analysewerkzeuge und Dienste der IBM Cloud über IaaS lassen das Angebot auf über 170 Services der unterschiedlichsten Kategorien anwachsen. 

In den folgenden Bereichen bietet die IBM Cloud Dienste an, die heute bei vielen Kund:innen zum Standardrepertoire gehören:

  • Internet der Dinge (Internet of Things, IoT)
  • Künstliche Intelligenz (KI)
  • VMware, Compute
  • Network
  • Storage
  • Management
  • Sicherheit 
  • Daten-Management 
  • Analytics
  • Mobile
  • Entwickler-Tools
  • Blockchain
  • Integration
  • Migration

Die in der IBM Cloud zur Verfügung gestellten Dienste bilden nicht nur aktuelle Anforderungen ab, sondern bieten auch eine solide Basis für Ideen und Visionen zukünftiger IT-Szenarien.

Internet der Dinge (IoT)

Das Internet der Dinge (IoT) bezeichnet die Vernetzung und das Zusammenwirken unterschiedlicher Geräte und Datenströme. Meist sind die einzelnen Objekte dieses Netzwerks nicht nur untereinander, sondern auch über das Internet vernetzt. Diese globale Infrastruktur bildet die Grundlage für Dienstleistungen und Anwendungen, die das Zusammenspiel von Geräten, Sensoren und anderen Objekten nutzen.

Künstliche Intelligenz (KI)

Das zum Cloud-Portfolio gehörende IBM Watson Studio ist das Mittel der Wahl, um Data-Science-Landschaften zu entwickeln und KI-gestützte Prozessdigitalisierung umzusetzen. Ebenso ist es die Basis für die Entwicklung von Anwendungen in den Bereichen Machine-Learning, Sprachverarbeitung und Bilderkennung.

VMware und Compute stellen Rechenressourcen zur Verfügung, über die Unternehmen Arbeitsaufträge – sogenannte Workloads – hosten. Die Rechenleistung wird durch Bare-Metal-Server, virtuelle Server, Serverless-Computing-Dienste und Container-Strukturen in der Cloud zur Verfügung gestellt. VMware ermöglicht dabei die Migration von VMware-Workloads in die IBM Cloud über virtuelle Maschinen (VMs).

Cloud-Netzwerkdienste wie beispielsweise Load-Balancer, Content-Delivery-Networks (CDN), VPN-Tunnel und Firewalls sind klassische Netzwerkdienste. Load-Balancer sind in der Regel Servern oder VMs vorgeschaltet. Sie sorgen dafür, dass die Serverlast gleichmäßig verteilt wird und keine Überlastungen auftreten.

Management-Tools sorgen für die Überwachung von Cloud-Deployments. Dazu zählen Protokollanalysen, Automatisierungen und Infrastructure-as-Code (IAC) zur dynamischen Steuerung von Rechnerressourcen. Security-Services bieten alle Instrumente für ein erfolgreiches Identity-and-Access-Management (IAM, Zugriffsverwaltung) und sichere Benutzer-Authentifizierungen.

Beim Datenmanagement stehen SQL- und NoSQL-Datenbanken sowie Query- und Migrationstools zur Verfügung. Über Toolkits wie IBM Lift CLI und Cloud Mass Data Migration lassen sich Daten und Strukturen jeder Herkunft in die Cloud überführen. Zur Datenanalyse bietet die IBM Cloud eine Reihe von Data-Science-Tools wie Apache Spark, Apache Hadoop, IBM Watson Machine Learning sowie Streaming-Analysedienste.

Für Entwickler:innen stehen weitere Entwicklungswerkzeuge in der IBM Cloud zur Verfügung. Ein Beispiel ist die IBM-Programmsammlung mit Command-Line-Interface (CLI) und Tools zur Bereitstellung und Veröffentlichung von Applikationen und Anwendungs-Pipelines. Außerdem bietet die IBM Cloud Toolkits zur Überwachung von mobilen Apps und deren Backend-Komponenten.

Im Bereich Blockchain als Software-as-a-Service-Angebot bietet die IBM Cloud Entwickler:innen Instrumente zur Entwicklung von Apps und zum Monitoring von Blockchain-Transaktionen. Mit Anwendungen wie API Connect, App Connect und IBM Secure Gateway gibt es darüber hinaus ein breites Angebot für die Entwicklung standardisierter Schnittstellen.

 

5G und Edge-Computing in der Cloud

5G und Edge-Computing finden sich ebenfalls als Elemente in unterschiedlichen Bereichen und Services der IBM Cloud. Entwickler:innen haben die Möglichkeit, mobile Apps und deren Backend-Komponenten anzulegen und zu überwachen. Das IBM Cloud Pak for Network Automation ermöglicht es, Teile des Netzwerkbetriebs KI-basiert zu automatisieren und Prozessdigitalisierungen auch über Mobilfunknetze zu realisieren.

Klassische Einsatzfelder dafür sind beispielsweise vRANs (Virtual Radio-Access-Networks). Diese zählen zu den zentralen Projekten in der Mobilfunkbranche, sowohl in 4G-LTE- als auch in 5G-Mobilfunknetzen. Ein typisches Einsatzgebiet sind beispielsweise Streamingdienste innerhalb eines virtuellen Netzes.

 

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Die IBM-Cloud ist die Basis für eine moderne und skalierbare IT-Infrastruktur.

 

Datenschutz in der IBM-Cloud-Umgebung

Sichere Passwörter und geschützte Zugangscodes sind eine wesentliche Basis für wirksamen Datenschutz in der Cloud-Umgebung. Ein schwacher Passwortschutz ermöglicht Unbefugten den Zugriff auf Ihre Daten, sofern diese nicht zusätzlich verschlüsselt sind. Über den Passwortschutz hinaus sollten Zugriffsrechte auf Dateien und  Verzeichnisstrukturen individuell und nicht pauschal eingerichtet werden. Ist die Cloud verschlüsselt, schützt dies zusätzlich vor Datenspionage.

Zur IBM Cloud Security gehört die SSL-Verschlüsselung (Secure Socket-Layer) von Internetverbindungen. Eine bessere Datensicherheit bietet die SSL-Weiterentwicklung TLS (Transport-Layer-Security), bei der Protokollschwächen von SSL bereinigt wurden. Viele Zertifikatsanbieter bezeichnen TLS-Zertifikate allerdings nach wie vor als SSL-Zertifikate. Daher besteht die Namenskonvention weiter, auch wenn sich SSL- und TLS-Verschlüsselung in der Qualität unterscheiden. Generell gilt: Sensible Daten sollten zusätzlich durch separate Verschlüsselung abgesichert sein oder gar nicht erst in der Cloud landen.

Greifen Cloud-Lösungen auf Provider-Dienste zu, die Server außerhalb der EU betreiben, müssen die Anbieter dieser Dienste dem Safe-Harbour-Abkommen zugestimmt haben. Dies soll gewährleisten, dass der Anbieter die EU-Sicherheitsbestimmungen akzeptiert und einhält. Hintergrund: Bei Multi-Cloud-Lösungen genügt eine ungeprüfte API zu AWS oder Google-Diensten, um gegen EU-Recht und die DSGVO zu verstoßen. Entsprechend wichtig ist es, bei Cloud-Lösungen auf EU-konforme und zertifizierte Angebote zu setzen.

 

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IT-Security gliedert sich in unterschiedliche Bereiche, die in der Gesamtheit für einen sicheren Betrieb der Unternehmens-IT sorgen.

 

Die IBM Cloud im Vergleich mit Microsoft Azure, AWS und Google Cloud

Eine wesentliche Stärke der IBM Cloud liegt im umfangreichen Angebot von skalierbaren Services, die sich flexibel und individuell buchen lassen. Sie gilt als zuverlässig und fair, was das Preismodell angeht, da Unternehmen durch maßgeschneiderte Angebote nur die benötigten Dienstleistungen bezahlen müssen.

Wer in erster Linie Wert auf komplexe Webanwendungen, Cloud-Computing und Skalierbarkeit legt, der findet mit der Google Cloud ein ebenfalls passendes Produkt. Doch auch die Cloud-Services von Microsoft und Amazon können je nach Anforderungen eine brauchbare Alternative sein. Wie so oft kommt es auf den konkreten Anwendungsfall an, für den Sie die jeweiligen Angebote im Detail studieren sollten.

Microsoft beispielsweise liefert mit Azure ein im Vergleich zur IBM Cloud und Google Cloud insgesamt kleineres Spektrum an Anwendungen. Vorteile gegenüber dem IBM-Angebot bringt die nahtlose Integrierung von Azure mit den Microsoft-Produkten OneDrive, SharePoint und MS-Teams. Besitzer von IBM-Hardware oder bestehenden Rahmenverträgen dort sind hingegen wohl mit der IBM Cloud im Vorteil.

Ähnliches gilt für Amazon mit den Amazon Web Services beziehungsweise dem Elastic Cloud Computing. Besonders bei der Anzahl verfügbarer Komponenten kann die Amazon-Cloud-Lösung überzeugen. Mehr Komponenten und Services bietet keiner der Anbieter. Den Support gibt es wiederum nur als kostenpflichtiges Online-Angebot, was manch einen Unternehmenskunden vielleicht abschreckt.

Einen Überblick der einzelnen Angebote im Vergleich zur IBM Cloud zeigt die Tabelle:

 

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Beschriftung: Die IBM Cloud Platform, Google Cloud, Microsoft Azure und Amazon AWS unterscheiden sich im Detail.

 

IBM Cloud: Für jede IT-Anforderung die passende Lösung

Cloud-Lösungen bieten Unternehmen viele Vorteile. Sie reduzieren zum Beispiel die Kosten für die IT-Infrastruktur bei gleichzeitig höherer Flexibilität. Dank der unterschiedlichen Cloud-Varianten bietet die IBM-Cloud-Plattform für jedes Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen. Von der Unternehmens-IT über Webshops bis hin zu Entwicklungsplattformen und Blockchain-Anwendungen lässt sich das gesamte Leistungsspektrum einer modernen IT-Landschaft abbilden. Umfangreiche Migrationsdienste erleichtern dabei den Einstieg und den Wechsel zu modernen Cloud-Strukturen. Den anderen großen Anbietern Microsoft, Amazon und Google steht die IBM Cloud in nichts nach und richtet sich vornehmlich, aber nicht nur an große Unternehmen mit besonderen Anforderungen.

 

Nutzen Sie bereits die IBM Cloud oder andere Cloud-Lösungen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 


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